Wutströme

In «Wutströme» der Genfer Dramatikerin Julie Gilbert ist das Widersprüchliche und Fragmentarische Programm. Einerseits werden in dem vielstimmigen Text über Exil, Migration und Identität Fragmente von Fluchtgeschichten und persönlichen Schicksalen miteinander verquickt, bis das Bild einer universellen Welle des Leidens entsteht, die aus dem globalen Süden in den Norden schwappt. Gleichzeitig stellt die Autorin diesen lyrisch überhöhten Klagegesängen immer wieder Szenen gegenüber, die die Perspektive des westlichen Dramatikers hinterfragen, der anstelle der eigentlichen Protagonisten spricht und ihre Biografien nur benutzt. Gilberts Stück, das bereits 2011 entstand, nahm zahlreiche Fragestellungen vorweg, die heute spätestens seit der Europäischen Migrationskrise von 2015 Allgemeingut sind. Wie lassen sich globale Katastrophen abbilden? Wer besitzt die Legitimität, darüber zu sprechen? Die Autorin löst die Spannung zwischen Dominanz und Schuldgefühl nicht auf, die die Beziehungen zwischen den reichen Industrienationen und dem Süden prägen. Ihr Text «Wutströme» ist eine Art Aufschrei, der nicht heilen will, sondern Paradoxa benennt und sie stehenlässt.

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Neue Veröffentlichung. Scène 22 ist für den 30. September 2020 angekündigt.

Scène